DANKWORT DES APOSTOLISCHEN NUNTIUS ERZBISCHOF DR. GIOVANNI LAJOLO IN DER ST. HEDWIGSKATHEDRALE IN BERLIN AM 19. OKTOBER 2003 UM 10.00 UHR ANLÄSSLICH DES 25. JAHRESTAGES DER WAHL VON PAPST JOHANNES PAUL II.


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1. Ich bin Herrn Kardinal Sterzinsky sehr dankbar, dass er Herrn Bischof Lettmann von Münster eingeladen hat, dieses Pontifikalamt anlässlich des 25jährigen Pontifikatsjubiläums von Papst Johannes Paul II. zu feiern.

Ein herzlicher Dank gilt Herrn Weihbischof Weider, der Herrn Kardinal Sterzinky, der wegen des Papstjubiläums zur Zeit in Rom ist, in der ihm eigenen Liebenswürdigkeit vertreten hat.

Herr Bischof Lettmann ist ein persönlicher Freund des Papstes. Und ich glaube, dass niemand anders so wie er zu diesem Anlass zu uns hätte sprechen können: Danke, lieber Herr Bischof Lettmann, für die Mühe, die Sie auf sich genommen, und für die Worte des Glaubens, das Sie an uns gerichtet haben. Sie werden uns allen helfen, unseren Glauben in Einheit mit den Bischöfen als den Nachfolgern der Apostel und dem Bischof von Rom als dem Nachfolger des Apostels Petrus in einem vertieften Bewusstsein zu leben.

2. Es ist für mich eine besondere Ehre, die Damen und Herren Botschafter begrüßen zu können, die der Einladung zu diesem Gottesdienst gefolgt sind: Ihre Anwesenheit als amtliche Vertreter ihrer Völker, die zu Deutschland und zur katholischen Kirche in freundschaftlichen Beziehungen stehen, gibt dieser Feier einen zusätzlichen Glanz und gereicht auch mir persönlich zu besonderer Freude. Möge Gott ihre Mission zugunsten des Friedens und der Eintracht unter den Völkern segnen und sie in jeder Situation seinen Beistand spüren lassen.

Es ist nun der Zeitpunkt gekommen, mich von den Berliner Katholiken - vertreten durch die hier Anwesenden - zu verabschieden. Ich möchte Ihnen, liebe Katholiken von Berlin, nur sagen, dass meine Mitarbeiter und ich uns seit dem ersten Augenblick, da wir das neue Gebäude der Apostolischen Nuntiatur in dieser wunderschönen Stadt bezogen haben, uns mit Ihnen in den hellen und den dunklen Tagen eng verbunden fühlen.

Ein besonderer Dank gilt den Priestern, die mich bei bedeutenden Anlässen in ihren Gemeinden eingeladen haben, an ihrer Freude teilzuhaben. Leider war es oft wegen anderer Verpflichtungen nicht möglich, die Einladung anzunehmen.

In einem Interview wurde ich gefragt, was ich den deutschen Katholiken mit auf den Weg geben möchte. Ich habe mit einer doppelten Empfehlung geantwortet.

Die erste lautet: „Seien Sie Ihrer Geschichte und Ihren Heiligen treu!“ Bei Ihnen, liebe Katholiken von Berlin, möchte ich hinzufügen: Die großen Gestalten Ihrer Geschichte, die die Geschichte der Kirche in dieser Stadt auszeichnen, gehören mit zu jener Wolke von Zeugen, von der der Hebräerbrief spricht (Hebr 12, 1). Besonders erwähnen möchte ich den seligen Bernhard Lichtenberg, dessen Grab sich in dieser Kirche befindet. Die Erinnerung an die Heiligen macht uns immer neu das Ziel unseres Lebens und den Weg zu ihm bewusst und hilft uns, dass wir - wie es an demselben Stelle des Hebräerbriefes heißt (vgl. Hebr 12. 1f) - unseren Weg mit Ausdauer fortsetzen, ohne Jesus, den Urheber und Vollender des Glaubens, aus dem Blick zu verlieren.

Die zweite Empfehlung lautet: „Lassen Sie die Nichtglaubenden die innere Freiheit spüren und die Freude, die aus dem Glauben kommt!“

Die Gemeinden des Erzbistums Berlin stehen vor dem Hintergrund der schwierigen Finanzlage vor besonderen Herausforderungen. In einer solchen Situation ist es gut, an ein Wort des Apostels Paulus zu denken. Er schreibt im Ersten Korintherbrief: „Es hat euch nur menschliche Anfechtung getroffen, Gott aber ist getreu; er wird euch nicht anfechten lassen über eure Kräfte, sondern bei der Anfechtung auch den Ausgang schaffen, dass ihr bestehen könnt“ (1 Kor 10, 13). Das Kreuz des Herrn ist die größte Prüfung, der je ein Mensch unterworfen wurde; durch das Kreuz aber kam Freude in die ganze Welt. So möge auch das Erzbistum Berlin - seine Priester und Gläubigen - aus den derzeitigen schweren Tagen einen vertieften Sinn für das Wesentliche gewinnen, die Befähigung zu neuen Formen von Solidarität, einen neuen Elan in der Verbreitung der Frohen Botschaft und der immer neuen Kraft, die der gekreuzigte Christus seiner Kirche mitteilt.

3. Ein Sprichwort sagt: Alle Wege führen nach Rom. So lassen Sie mich Ihnen als Letztes sagen, dass alle Berliner, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, und alle, die Sie hier sind, wenn Sie nach Rom kommen - dazu lade ich sie herzlich ein -, bei mir in Rom immer eine offene Tür finden werden und noch mehr ein offenes Herz.